In Südthüringen – September 2014

„ICH FREUE MICH AUF DIE KRIMINACHT“
Die Schauspielerin Annett Renneberg moderiert am Samstag die zweite Thüringer Kriminacht im Druckwerk unserer Zeitung. Wir sprachen vorab mit der gebürtigen Rudolstädterin.

Frau Renneberg, als 13-Jährige haben Sie ihren jüngeren Bruder von einem Casting abholt und sich dabei auf dem Studiogelände verirrt. Am Ende sind Sie selbst in ein Casting geraten. Das war 1991 der Startschuss zu ihrer TV-Karriere aber auch die erste Rolle in einen Tatort. Stehen Sie seither auf Krimis?

Das Genre selbst spielt bei der Auswahl meiner Film- und
Theaterarbeiten nicht die entscheidende Rolle. Es kommt mir
auf die Figur als solche an. Und in Krimis sind die Täter oder
Opfer fast immer spannender als die Ermittler.

Neben der Schule erhielten sie Unterricht in Gesang, Klavier und Akkordeon, denn Sie wollten einmal Opernsängerin werden. Es blieb beim Wunsch – warum?

Ich bekam schon während meines Abiturs das erste Angebot von Peter Zadek für seine „Mahagonny“-Inszenierung in Salzburg. Er hat mich überzeugt, der Schauspielerei ganz treu zu bleiben und den Opernsängerinnen-Traum nicht weiter zu verfolgen. Wir haben dann bei „Hamlet“, „Peer Gynt“ und „Nackt“ bis zu seinem Tod zusammen gearbeitet und ich habe nebenbei viel gedreht.

Sie wurden 1978 in Rudolstadt geboren, wuchsen aber in Berlin auf. Kommen Sie noch an die Saale?

Ein großer Teil meiner Familie lebt in Rudolstadt und der näheren Umgebung. Bis zum Tode meiner Großeltern war ich sehr häufig dort. Jetzt seltener, aber immer wieder gern. Mir gefallen der Park an der Saale sehr und der Weg hoch zur Heidecksburg. Meine Großeltern wohnten erst am Saaldamm gegenüber vom Bahnhof und dann am Marktplatz – das ist für mich alles sehr vertraut.

Sie haben 1996 an der Seite von Jürgen Tarrach und Oliver Korittke im Krimi „Die Musterknaben“ gespielt. Auch in Filmen mit Ulrich Tukur („Blutige Scheidung – Mein Mann läuft Amok“ und „Das Böse“) blieben sie dem Genre treu. Wie finden Sie denn die Thüringer Tatorte?

Ich habe leider noch keinen davon gesehen. Fernsehabende sind rar geworden – erst durch die Geburt meines Sohnes und jetzt durch meinen Umzug nach Mecklenburg. Auf dem Land habe ich gar keine Lust auf Fernsehen, es gibt immer so viel im Garten oder Haus zu tun. Und dann lese ich auch lieber oder bade. Ich habe nach acht Jahren endlich wieder eine eigene Wanne, das ist so toll, dagegen kommt kein Film an im Moment.

Seit 1998 stehen sie (damals auch unter Peter Zadek) auf der Theaterbühne. Welche Rolle spielt für Sie das Theater?

Theaterspielen ist großartig und ich wünsche mir, dass es bald wieder in meinem Leben Platz hat. Ich vermisse Peter und denke oft an die intensiven und wunderbaren Momente, die ich mit ihm oder auch als Zuschauerin in seinen Inszenierungen erleben durfte. Seine „Rosmersholm“- Inszenierung wird mir unvergesslich bleiben. Das Unmittelbare, die Begegnung und der Zauber, der von den Menschen da oben auf der Bühne ausgehen kann, haben wunderbare Kraft.

Seit 1999 spielen Sie Signorina Elettra in den Verfilmungen der Donna-Leon-Romane „Commissario Brunetti“. Mafia und Berlusconi in Italien. Auch zur Südthüringer Kriminacht begegnen sich Fiktion und Realität – z. B. mit der Autorin des „Tannöd“. Inwieweit können oder sollen Krimis auch Realität abbilden?

Letztlich, denke ich, ist literarische Qualität entscheidend. Weniger die Frage nach Fiktion oder Realität. Die zur Kriminacht eingeladenen Autoren zeigen das sehr deutlich mit Ihren neuesten Werken – das Publikum kann sich auf einen facettenreichen und spannenden Abend freuen. Ich
freue mich auch schon!

Sie treten seit auch mit eigenen musikalisch-literarischen Bühnenprogrammen auf. Welche sind das und wo können wir Sie demnächst noch erleben?

Im November gehe ich erstmal wieder mit Donna Leon auf kleine Lesetour. Wir stellen gemeinsam ihren neuesten Brunetti- Roman “ Das goldene Ei“ vor. Das ist immer sehr lustig – Donna hat einen herrlichen Humor und erzählt gerne Anekdoten aus ihrem Leben und Kurioses zur italienischen Politik.

ak