Es ist was es ist – Januar 2011

LIEBE IST… IHR MIT LEIB UND SEELE EINEN GANZEN ABEND ZU WIDMEN

„Die Liebe – gibt es etwas Wichtigeres?“ fragt Annett Renneberg. „Alles auf der Welt passiert aus Liebe. Oder aus Mangel daran.“ So einfach, so wahr.
ES IST, WAS ES IST.
Ihrem Lieblingsthema hat die bekannte TV-Schauspielerin („Commissario Brunetti“/ARD, „Kommissar Stolberg“/ZDF) unter diesem Erich-Fried-Motto jetzt einen ganzen Abend gewidmet: Im Freizeitforum Berlin-Marzahn hatte ihr Programm Premiere und fand, um es vorweg zu nehmen, ein zu recht begeistertes Publikum.

Von der ersten Minute an sah, hörte und spürte man die Leidenschaft, mit der sich Annett Renneberg dem schönsten, ergiebigsten, zuweilen sicher auch schwierigsten Thema verschrieben hat. Exzellent begleitet von Wolfgang Köhler (Piano), seiner Frau Christiane (Cello) und Lutz Schlosser (Gitarre) sang die – was den wenigsten bekannt ist – ausgebildete Sängerin Lieder von George Gershwin und Friedrich Holländer, von Carla Bruni und Cole Porter, aber auch von Freddie Mercury und Tracy Chapman. Und – sie hat Stimme! Mal aufbrausend laut, mal traurig gehaucht, mal neckisch-frivol, mal zu Tode betrübt – Annett Renneberg meisterte alle Facetten. Und da so manches Lied, so mancher Text auch zum Nachdenken anregte, waren da schon mal einige Sekunde Stille zwischen dem letzten, melancholischen Ton auf der Bühne und dem Applaus des Publikums.
Einem Publikum, das an den Lippen der Künstlerin hing und sich von ihr in die Texte hineinziehen ließ. „Wenn ich mir was wünschen dürfte“, „Ich will nicht morgen schon dein Gestern sein“, „Bleib noch bis zum Sonntag“. Einen Mix der Gefühle lösten auch die Gedichte, Geschichten, kurzen Szenen aus, die Annett Renneberg gekonnt (und in wechselnden Kostümen) rezitierte und spielte. Heine, Kurt Weill, Ringelnatz, Erich Frieds „Es ist, was es ist, sagt die Liebe.“
Köstlich, wie sie in Kurt Tucholskys Monolog „Lottchen beichtet“ in frechstem Berliner Dialekt (neben Englisch, Französisch und Portugiesisch ihre vierte Sprache an diesem Abend!) daherkommt, bei der Heimkehr des Gatten die Misstrauische und Eifersüchtige spielend, dann selbst ertappt nach und nach einen anderen Mann in ihrem Leben eingestehend. Aber, nein, da war nichts, nein, da war gar nichts. Bitte bitte, Kuss aufs Lottchen… Am Ende dankt das Publikum mit langem Beifall für zwei Stunden allerfeinste, tiefsinnige Unterhaltung. Während sich da oben auf der Bühne Annett Renneberg immer wieder verneigt, mit einem rotglitzernden HerzLuftballon in der Hand.
Annett Renneberg hat vier große, starke Lieben. Eine, nämlich DEN Mensch in ihrem Leben, hält sie geheim, die drei anderen hat sie an diesem Abend mit uns allen geteilt: die Liebe zur Musik, die Liebe zur Lyrik, die Liebe zur Liebe. ES IST, WAS ES IST. Bleibt zu hoffen, dass dieses Programm für die großartige Künstlerin kein flüchtiger One-Night-Stand mit dem Berliner Publikum bleibt. Diese Lovestory gehört auf Tournee und ins ganze Land getragen, und da wird sie sicherlich überall viele Verehrer finden.

Michael Santen